Von “Spiel” zu “Kunst” und wieder zurück

Im Bereich “Kunst” hat man ein ähnliches Problem wie Spieltheoretiker und-Praktiker (d.h. wir), wenn man über die rein technisch-handwerkliche Ebene hinaus geht:

  • Was ist eigentlich ‘Kunst’?
  • Was ist ‘gute’ Kunst?
  • Wofür ist Kunst da?

Diese Frage haben Leute wie Huizinga, Caillois, Scheuerl, Sutton-Smith für “Spiel” versucht zu beantworten. Und diese Frage versucht auch die neue Generation von Spieltheoretikern wie Katie Salen oder Gonzalo Frasca zu beantworten, die gleichzeitig Spieldesigner sind.

“Kunst” und “Spiel” ähneln sich meiner Ansicht nach so sehr, dass die Fragen (und deren Antworten) tatsächlich übertragbar sind – aber diese Vermutung würde ich gerne mit euch diskutieren!

Hochkontrovers zum Beispiel steht die Ansicht von Roger Ebert – vermutlich der exponierteste Filmkritiker der USA – dass “Spiel” niemals “Kunst” sein kann, da “Kunst” prinzipiell nicht-partizipativ ist (!). D.h. es gilt für Kunst: Der Künstler erschafft das Werk und der Nutzer rezipiert das Werk, darf aber nicht mitgestalten.
Ein Artikel zu dieser Kontroverse: http://www.cracked.com/blog/why-ebert-is-wrong-in-defense-of-games-as-art/

Als Grundlage zur Auseinandersetzung können dafür die genannten Texte und folgende Zitate dienen:
http://edublog.me/spielalsmedium/zitate/

Der Künstler Aram Bartholl (http://datenform.de/) spielt mit den Grenzen zwischen Spiel und realem Raum – aber sind seine Aktionen “Spiele”?

Was wäre http://jacksonpollock.org/ – eine Simulation? Ein Spielzeug?

Was wäre Ledonnes “Super Columbine Massacre RPG!”? – ein ‘normales’ Spiel? Kunst?
(Website mit PC-Spiel zum Download, Wikipedia-Eintrag – wird ebenfalls behandelt im Katalog von Labora Central “Homo Ludens Ludens” (S. 340-341; steht im Online-Seminarordner unter “Beispiele”)

Meine Frage:

  • Kennt ihr ein Spiel, von dem ihr denkt, dass es dem Anspruch genügt, als “Kunst” eingeordnet zu werden? Und wenn ja, warum? Wie ist das Verhältnis zwischen Künstler und Rezipient – und das zwischen Spieldesigner und Spieler?
Wey

Über Wey

My name's Wey-Han Tan, I graduated 2007 as Diplompädagoge (educational scientist) in Hamburg, and 2009 as M.A. in ePedagogy Design. Currently I work at the project "Universitätskolleg" as scientific assistant at the Faculty for Educational Sciences, Psychology and Human Movement at the University of Hamburg. My research interests are game based learning, second order gaming, media theory and (radical) constructivist approaches. I like pen-and-paper-roleplaying, especially in contemporary horror settings like "KULT" or "Call of Cthulhu".
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2 Responses to Von “Spiel” zu “Kunst” und wieder zurück

  1. avatar melanie gresser sagt:

    Hallo,
    Ich denke, dass die Kunst ein “weites Feld” zur Interpretation eröffnet..
    Was ist Kunst? Dazu hat wahrscheinlich jeder/jede eine andere Ansicht.
    Für mich wäre es bereits eine künstlerische Umsetzung, wie beispielsweise Figuren in Computerspielen technisch umgesetzt werden (designed werden?).
    Was meint ihr dazu? Ist die technische Gestaltung von Umgebungen und Spielcharakteren auch Kunst?

  2. Wey weytan sagt:

    Interessanter Ansatz…
    Hat generell jede Art der Abbildung einer imaginierten Realität die Möglichkeit, als ‘Kunst’ zu gelten? Damit wird die Diskussion tatsächlich auf breiter Front eröffnet!

    Sowohl Kunst als auch Spiel sind meiner Ansicht nach unterworfen:
    1.) einem historisch-kulturellem Bezug
    (Kunst und Spiel werden kultur- und epochenspezifisch erkannt und/oder bewertet)
    2.) einem funktionalen Bezug
    (Kunst und Spiel erfüllen eine bestimmte gesellschaftliche und individuelle Aufgabe; es geht bei beiden um ästhetische Erfahrungen, die die unkünstlerische/unspielerische Wirklichkeit nicht bieten; so z.B. Nicht-Wirklichkeit, Spaß, Perspektivwechsel, Mimikry, Zufallsunterworfenheit etc.)
    3.) einem prozesshaften Bezug
    (Kunst und (Regel)Spiel werden nach bestimmten Gesichtspunkten geschaffen)

    D.h. dass so eine Grafik http://www.youtube.com/watch?v=7hEhU1q_BWw vor einigen Jahrzehnten *noch nicht* als ‘Kunst’ erkannt werden konnte, da sie zu natürlich aussieht; und in einigen Jahrzehnten vielleicht *nicht mehr* als Kunst erkannt wird, da sie allgegenwärtig = natürlich geworden ist. Die künstliche Welt dort wäre Kunst, wenn sie zum Zweck der ästhetischen Erfahrung geschaffen wurde (was man annehmen kann) und diesen Zweck auch erfolgreich erfüllt (geht mir so, wenn ich durch solche 3D-Welten wandere).

    Man könnte also folgern, dass Melanie recht hat.
    Oder?
    Was meint ihr?

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