{"id":124,"date":"2011-04-25T20:48:53","date_gmt":"2011-04-25T20:48:53","guid":{"rendered":"http:\/\/edublog.me\/spieleseminar\/?page_id=124"},"modified":"2011-04-30T06:35:25","modified_gmt":"2011-04-30T06:35:25","slug":"medium","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/edublog.me\/spieleseminar\/medium\/","title":{"rendered":"Medium"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr das  Alltagsverst\u00e4ndnis f\u00fcr Medien am Nahe liegendsten erscheinen die Definitionen von \u201c<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massenmedien\">Massenmedien<\/a>\u201d, \u201c<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kommunikationsmittel\">Kommunikationsmittel<\/a>\u201d oder  \u201c<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/List_of_artistic_mediums\">k\u00fcnstlerische Medien<\/a>\u201d. F\u00fcr ein besseres mediales Verst\u00e4ndnis von &#8220;Spiel&#8221; und &#8220;Regelspielen&#8221; (games) eignen sich die Theorien von Marshal McLuhan und Niklas Luhmann recht gut, Gregory Bateson ist spezifisch f\u00fcr das Spiel interesssant (s. Text im Studienmaterial).<br \/>\n(In einer <a href=\"http:\/\/homepages.uni-paderborn.de\/winkler\/medidef.html\">Zusammenfassung von Mediendefinitionen von Hartmut Winkler<\/a> bewegen sich die drei Theoretiker unter 2. (symbolischer Charakter), 4. (Form und Inhalt) und 6. (Unsichtbarkeit), obwohl nat\u00fcrlich auch die anderen Punkte auf Spiele anwendbar sind.)<strong><\/strong><\/p>\n<p>Jedes Medium l\u00e4sst es nur auf bestimmte Art und Weise zu, was sich  wie ausdr\u00fccken bzw. repr\u00e4sentieren l\u00e4sst. Medientheoretiker wie Niklas  Luhmann gehen davon aus, dass diese Einschr\u00e4nkung eine Grundbedingung  f\u00fcr die Funktion von Medien ist: Nur, wenn ein bestimmtes Vokabular \u00fcber  eine bestimmte Grammatik sinnvoll zusammen gesetzt wird, ist die  entstehende Form als bedeutungsvoll in diesem Medium wahrnehmbar.  Marshal McLuhan erweitert den Medienbegriff, als dass bereits das Medium  selbst &#8211; nicht nur seine Formen &#8211; eine Botschaft \u00fcbermittelt und dass  diese Formen wiederum Medien sein k\u00f6nnen, um weitere Formen zu erschaffen.<br \/>\nDurch die Einschr\u00e4nkung auf bestimmte m\u00f6gliche (Regelvorgaben) und m\u00f6glichst sinnvolle Spielz\u00fcge (Strategie, &#8216;sinnvoller&#8217; Spielverlauf) besitzt das einzelne Regelspiel die selben Eigenschaften wie z.B. das Medium Sprache, wobei die Form der jeweilige Spielverlauf w\u00e4re. Das Regelspiel selbst ist wiederum eine Form im Medium aller &#8220;Regelspiele&#8221;.<br \/>\nEin Beispiel: Schach ist im Laufe der Jahrhunderte im Medium des Regelspiels zu seiner heutigen Form ausgebildet worden; diese Form ist relativ fix, wir nehmen die Schachregeln, die narrative Auskleidung der Figurenrollen (Springer, K\u00f6nig, Turm etc.) \u00fcblicherweise nicht als ver\u00e4nderlich wahr. Was wir <em>innerhalb<\/em> der Form ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, ist der Verlauf einzelner Schachpartien: Spieler und Gegenspieler nutzen das Medium Schach f\u00fcr einen Dialog, bei dem sinnvolle wechselsseitige Z\u00fcge aufeinander bezogene S\u00e4tze sind, und die Strategien die jeweilige Argumentation bzw. thematische Aussage. Die Spieler &#8216;sprechen&#8217; beim Schach sozusagen ihr Spiel, genauso, wie dies auch Counter-Strike- oder Fu\u00dfballspieler tun: Sie kommunizieren nach den klaren, vereinfachten Regeln ihres Mediums miteinander.<\/p>\n<p>Marshall McLuhan:<br \/>\n1. Das Medium ist die Botschaft.<br \/>\n&#8220;The medium is the message.&#8221;<br \/>\nSpiele vermitteln nicht nur &#8216;lesbare&#8217; Spielinhalte wie &#8220;Monopolbildung&#8221; bei Monopoly oder &#8220;Terroristen bzw. Kommandos besiegen&#8221; bei Counter-Strike, sondern auch die Art und Weise, wie (Regeln) und unter welchen medialen Bedingungen (technisch, kulturell) dies geschieht.<br \/>\n\u2013 Marshall McLuhan, &#8220;Understanding Media \u2013 The extensions of man&#8221; (1964), p.7<\/p>\n<p>2. Jedes Medium beinhaltet ein weiteres Medium<br \/>\n&#8220;This fact, characteristic of all media, means that the &#8220;content&#8221; of any medium is always another medium.&#8221;<br \/>\n\u2013 Marshall McLuhan, &#8220;Understanding Media \u2013 The extensions of man&#8221; (1964), p.8<\/p>\n<p>3. \u201cMedium  ist ein massenhaft vorhandenes, kombinatorisches  Potential, das  gelegentlich und im Gebrauch mit festen Kopplungen  versehen wird und  dadurch benutzbar wird.\u201d<br \/>\n&#8211; Niklas Luhmann: Einf\u00fchrung in die Theorie der Gesellschaft. Hrsg. von Dirk Baecker (2005), p.94<\/p>\n<p>4. &#8221; \u201cThis is play\u201d looks something like this: \u201cThese actions in which we now engage do not denote what those actions <em>for which they stand<\/em> would denote.\u201d<br \/>\n&#8211; Gregory Bateson (2000): \u201cA Theory of Play and Fantasy\u201d, p.180<\/p>\n<p>Zu diesem Medienverst\u00e4ndnis noch ein Spielzitat von Jesper Juul:<\/p>\n<blockquote><p>\u00ab(&#8230;)  it can seem that games contain a built-in  contradiction: Since  play is  normally assumed to be a free-form  activity devoid of  constraints, it  appears illogical that we would  choose to limit our  options by playing  games with fixed rules. Why be  limited when we can  be free? The answer  to this is basically that  games provide context for  actions (&#8230;)\u00bb<br \/>\nJesper Juul (2005), \u201cHalf-Real. Video Games between Real Rules and Fictional Worlds\u201d, p.18<\/p><\/blockquote>\n<p>Das bedeutet ganz praktisch: Ein bekanntes Spiel wie <a href=\"http:\/\/www.spielewiki.org\/wiki\/Ja_Nein_Schwarz_Wei\u00df\">&#8220;Ja-Nein-Schwarz-Wei\u00df&#8221;<\/a> setzt das Prinzip des Spiels als neugeschaffenem Mediums sehr greifbar um. Die nat\u00fcrliche Sprache wird zum Spielfeld &#8211; d.h. zum neuen Medium &#8211; durch ihre Begrenzung des verwendbaren Vokabulars. Das unfreiwillige Verlassen des Mediums ist gleichbedeutend mit einer Niederlage, das Bestehen innerhalb der Grenzen wird zum Sieg. Das Spiel findet sich in einer dunkleren, unentrinnbaren Variante in George Orwells <a href=\"http:\/\/www.newspeakdictionary.com\/ns-prin.html\">&#8220;Newspeak&#8221;<\/a> aus dem Roman &#8220;1984&#8221;.<\/p>\n<p>Wie andere Medien auch funktionieren Spiele erst durch ihre (geschickt vom Spieldesigner gesetzten) Begrenzungen.<\/p>\n<p><strong>Fragen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Wie &#8220;funktionieren&#8221; Medien?<\/li>\n<li>Welche (technischen) Medien kennt ihr?<\/li>\n<li>Funktionieren k\u00fcnstlerische Medien anders als Sprache oder Fernsehen? Ist hier die Grenz\u00fcberschreitung (z.B. bei Duchamp) gerade gewollt? Und warum wird nicht jede Grenz\u00fcberschreitung zur Avantgarde?<\/li>\n<li>Mit welchen Medien arbeitet ihr gerne (Textil, Photographie, \u00d6lfarben, Ton etc.)? Und warum mit genau diesen Medien?<\/li>\n<li>Wie  h\u00e4ngen die Freiheit des Ausdrucks und die Sicherung der zu   \u00fcbermittelten Botschaft zusammen? Was erwartet ihr von einem   \u2018funktionierendem\u2019 Medium?<\/li>\n<li>Auf welche Weise ist Spiel ein Medium und f\u00fcgt sich in die Theorien von Mcluhan und Luhmann ein?<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Schlagworte:<\/strong><\/p>\n<p>Medium und Form, lose und feste Kopplung, Spielregeln, Genres, Mikromedium, M\u00f6glichkeitsraum<\/p>\n<p><strong>Texte:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Marshall McLuhan (1964): &#8220;Understanding Media \u2013 The extensions of man.&#8221;\u00a0 S. 7-21<br \/>\nMcGraw-Hill, New York\/Toronto\/London, 1964<br \/>\n(Text im Studienpaket enthalten)<\/li>\n<li>Niklas Luhmann: Einf\u00fchrung in die Theorie der Gesellschaft. Hrsg. von Dirk Baecker (2005), S. 96 &#8211; 98<br \/>\n(Text im Studienpaket enthalten)<\/li>\n<li>Scott McCloud (1993): &#8220;Understanding Comics&#8221;, S. 2 &#8211; 3 u. 20 &#8211; 23<br \/>\n(Text im Studienpaket enthalten)<\/li>\n<li>Bateson, Gregory: \u201cA Theory of Play and Fantasy.\u201d In Gregory Bateson (2000): Steps to an Ecology of Mind, Chicago and London: The University of Chicago<br \/>\nPress, 177-193.<br \/>\n(Text im Studienpaket enthalten)<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/tvtropes.org\/pmwiki\/pmwiki.php\/Main\/TVTropesWillRuinYourLife\">TV-Tropes Wiki &#8211; TV-Tropes Wiki will ruin your Life<\/a> &#8211; Eine sehr unterhaltsame, sehr umfangreiche Zusammenstellung medialer Tropen f\u00fcr Anime, TV, Videogames, Theater etc.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr das Alltagsverst\u00e4ndnis f\u00fcr Medien am Nahe liegendsten erscheinen die Definitionen von \u201cMassenmedien\u201d, \u201cKommunikationsmittel\u201d oder \u201ck\u00fcnstlerische Medien\u201d. 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