{"id":528,"date":"2011-05-22T08:29:52","date_gmt":"2011-05-22T08:29:52","guid":{"rendered":"http:\/\/edublog.me\/spieleseminar\/?page_id=528"},"modified":"2011-05-22T09:07:36","modified_gmt":"2011-05-22T09:07:36","slug":"definition-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/edublog.me\/spieleseminar\/definition-2\/","title":{"rendered":"Definition"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was ist &#8220;Spiel&#8221;?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Definition von &#8220;Spiel&#8221; kann weder umfassend noch eindeutig oder objektiv beantwortet werden &#8211; was nicht hei\u00dfen soll, dass sie <em>nicht <\/em>beantwortet werden kann oder sollte. Die Frage &#8220;Was ist Spiel?&#8221; geh\u00f6rt zur Kategorie der  <a href=\"http:\/\/www.winkler-verlag.de\/unentscheidbare-fragen.htm\">prinzipiell unentscheidbaren Fragen<\/a> (Heinz von Foerster), die individuell entschieden werden  (m\u00fcssen), und manchmal mehr \u00fcber die jeweiligen Antwortenden, ihre Kultur oder ihren individuellen Blickwinkel aussagen k\u00f6nnen, als \u00fcber den Sachverhalt selbst.<br \/>\n&#8220;Spiel&#8221; ist bis heute ein Begriff im Flu\u00df, dessen Bedeutung weiter ausgehandelt wird.<\/p>\n<p><strong>Wie n\u00e4hern sich Forscher dem Problem?<\/strong><\/p>\n<p>&#8216;Klassische&#8217; Spieltheorien versuchen prinzipiell drei Fragen zu beantworten:<em><\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Woran erkennt man Spiel\/Spiele\/Spieler? <\/em><\/li>\n<li><em>Warum spielt man? <\/em><\/li>\n<li><em>Welche Arten von Spiel\/Spielen\/Spielern gibt es?<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Antworten k\u00f6nnen separat erfolgen, implizit die anderen Fragen mit  einschlie\u00dfen oder zusammen ein integriertes Theoriegeb\u00e4ude ergeben.<br \/>\nDie  Forscher werden au\u00dferdem eine Verkn\u00fcpfung der Antworten mit ihrem  \u00fcblichen Forschungsgegenstand herzustellen versuchen, (z.B. Didaktik,  Entwicklungspsychologie, Soziologie, Mathematik, Wirtschaft, Milit\u00e4r,  Computerspiele, Spieldesign, Literaturwissenschaft, Kunst etc.), sich  auf verwandte Ideengeb\u00e4ude anderer Forscher st\u00fctzen bzw. diese zu diesem  Zweck interpretieren.<br \/>\nSpieltheoretische Ans\u00e4tze k\u00f6nnen &#8220;Spiel&#8221; so auch als nicht-eigenst\u00e4ndiges, bedingtes Ph\u00e4nomen ansehen (z.B. der sp\u00e4te Piaget f\u00fcr kognitive Entwicklung) oder es als Metapher f\u00fcr eine bestimmte Art des menschlichen Handelns interpretieren (z.B. von Neumann f\u00fcr zweckrationales Handeln).<\/p>\n<p><strong>Struktur des Spiels, Form des Spiels &#8211; was macht Spiel aus, woran erkennt man es?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Johan Huizinga (1938): &#8220;Homo Ludens.&#8221; S.15-22 (Niederl\u00e4ndischer Kulturhistoriker)<br \/>\n<em>Freies Handeln; au\u00dferhalb des &#8220;gew\u00f6hnlichen&#8221; Lebens stehend;  zeitlich-r\u00e4umlich abgeschlossen und begrenzt; wiederholbar; spannend;  regelhaft<\/em><\/li>\n<li>Mathematische Spieltheorie nach z.B. John von (J\u00e1nos) Neumann (1944) (\u00d6sterreichisch-Ungarischer Mathematiker):<br \/>\n<em>Rationale Entscheidungen, wissen um gegenseitige Beeinflussung,  mehrere Beteiligte, Belohnung; oder PAPI: Players, actions, payoffs,  information<\/em><\/li>\n<li>Roger Caillois (1958): &#8220;Man, Play and Games.&#8221; S.9-10 (Franz\u00f6sischer Soziologe und Philosoph)<br \/>\n<em>Free, separate, uncertain, unproductive, governed by rules, make-believe<\/em><\/li>\n<li>Hans Scheuerl (1975): &#8220;Zur Begriffsbestimmung von Spiel und Spielen.&#8221; S.342-343 (Deutscher Erziehungswissenschaftler)<br \/>\n<em>Freiheit, innere Unendlichkeit, Scheinhaftigkeit, Ambivalenz, Geschlossenheit, Gegenw\u00e4rtigkeit<\/em><\/li>\n<li>Brian Sutton-Smith (1978): &#8220;Die Dialektik des Spiels&#8221; (S.43-64)(Neuseelandst\u00e4mmiger Spieltheoretiker)<br \/>\n<em>Intrinsisch motiviert, abstrakt und variierend (zwei Schwestern spielen &#8220;zwei M\u00e4dchen, die  Schwestern sind&#8221;), umkehrend, belebend und euphorisierend, dialektisch.<\/em><\/li>\n<li>Chris Crawford (1982): &#8220;The Art of Game Design.&#8221; S.8-14 (US-Amerikanischer Computerspieleentwickler)<br \/>\n<em> Representation, interaction, conflict, safety<\/em><\/li>\n<li>Markus Montola et al (2009): &#8220;Pervasive Games. Theory and Design.&#8221; (Finnischer Spielforscher)<br \/>\n<em>Als Erweiterung klassischer Ans\u00e4tze: Spiel kann jenseits zeitlicher, r\u00e4umlicher und sozialer Grenzen stattfinden.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Funktion des Spiels &#8211; warum spielt man?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Friedrich Schiller (1795): &#8220;Ueber die \u00e4sthetische Erziehung des  Menschen, in einer Reihe von Briefen.&#8221; 14. Brief (Deutscher Dichter und  Philosoph)<br \/>\n<em>Der Spieltrieb dient der Vermittlung zwischen sinnlichen Trieb und  Formtrieb, zwischen Ver\u00e4nderung und Ewigkeit, zwischen dem Empfangen und  dem Hervorbringen eines Objekts<\/em><\/li>\n<li>Gregory Bateson (1972): &#8220;Eine Theorie des Spiels und der Phantasie.&#8221;  in ders. &#8220;\u00d6kologie des Geistes.&#8221; S.244-245 (US-Amerikanischer  Philosoph, Anthropologe und Kybernetiker)<br \/>\n<em>Spiel entwickelt die Unterscheidungsf\u00e4higkeit zwischen Abbildung und  Realit\u00e4t, zwischen aktuellen Handlungen und deren Bezeichnungen, die  nicht bezeichnen, was jene Handlungen \u00fcblicherweise bezeichnen.<br \/>\n<\/em>(Spiel bereitet somit auf den Umgang mit Medien vor!)<em><br \/>\n<\/em><\/li>\n<li>Brian Sutton-Smith (1978): &#8220;Die Dialektik des Spiels&#8221; (S.65-102)(Neuseelandst\u00e4mmiger Spieltheoretiker)<br \/>\n<em> Spiel  sorgt u.a. f\u00fcr eine Umkehrung und damit Verst\u00e4ndnis von  Machtbeziehungen, ebenfalls f\u00fcr ein Verst\u00e4ndnis komplexer Beziehungen  \u00fcber Abtsraktion und Variation und bereitet \u00fcber eine Erweiterung des  adaptiven Verhaltenspotenzials auf zuk\u00fcnftige, unvorhersehbare  Ver\u00e4nderungen der Umwelt vor.<\/em><\/li>\n<li>Rolf Oerter (1993): &#8220;Psychologie des Spiels&#8221;, S.211 ff. (Orig. Deutsch)<br \/>\n<em>Adaptive Funktion, Realit\u00e4tsbew\u00e4ltigung durch Austausch, Aneignung,  Bew\u00e4ltigung, Protest; Spiel entwickelt und bereitet auf zuk\u00fcnftige  erwartbare Probleme vor<\/em>.<\/li>\n<li>Jean Piaget in Donald E. Lytle (2003): &#8220;Play and educational theory and practice.&#8221; S.101-105<br \/>\n<em>Spiel ist eine Reflektion bzw. ein Indikator zu erwerbender  kognitiver F\u00e4higkeiten, z.B. Entwicklung der Symbolfunktion, Moral,  Regelbewu\u00dftsein<\/em>, <em>hat aber aufgrund der Einbettung in bestimmte  Entwicklungsstadien keine bleibende \u00fcbergeordnete Funktionalit\u00e4t (wird  gerne zitiert, um die altersbedingten M\u00f6glichkeiten von Kindern im  (Lern)Spiel zu belegen).<br \/>\n<\/em><\/li>\n<li>Jean Piaget in Rolf Oerter (1993): &#8220;Psychologie des Spiels&#8221; , S.178 f.<br \/>\n<em>Zuerst Funktionslust (sensomotorisch) bzw. sp\u00e4ter beim Symbolspiel  ist Spiel  &#8220;\u00fcberbordende Assimilation&#8221;, d.h. der Spieler &#8216;eignet sich  die Welt an&#8217;,  formt sie in ihrer Bedeutung so um, dass sie seinem Ich  unterwerfbar wird; es ist eine Verteidigung gegen die erzwungene   Akkomodation der Erwachsenenwelt.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Klassifikation, Typologie bzw. Taxonomie des Spiels &#8211; welche Arten des Spiels oder der Spieler gibt es, wie wird gespielt?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Roger Caillois (1958): &#8220;Man, Play and Games.&#8221; S.11-36 (Franz\u00f6sischer Soziologe und Philosoph)<br \/>\n<em> Illinx (Taumel), Mimikry (Maskierung), Alea (Zufall), Agon (Wettkampf);<br \/>\nPaidia (freies, &#8216;turbulentes&#8217; Spiel) und <\/em><em>Ludus (geregeltes Spiel) <\/em><\/li>\n<li>Hans Scheuerl (1975): &#8220;Zur Begriffsbestimmung von Spiel und Spielen.&#8221; S.346 (Deutscher Erziehungswissenschaftler)<br \/>\n<em>Spielt\u00e4tigkeit (Handlung), Spielablauf (konkretes Spiel), Regelgebilde (Objektivationen), spielerische T\u00e4tigkeit<br \/>\n<\/em><\/li>\n<li>Rolf Oerter (1993): &#8220;Psychologie des Spiels&#8221; S.93-102 (Deutscher Entwicklungspsychologe)<br \/>\n<em>Sensomotorisches Spiel, Symbolspiel, Parallelspiel, Rollenspiel, Regelspiel<\/em><\/li>\n<li>Richard  Bartle (1996): &#8220;Hearts, Clubs, Diamonds, Spades. Players who  suit MUDs.&#8221;  (Britischer Spieleentwickler (MultiUserDungeon) und  Computerforscher)<br \/>\n<em> Spielertypologie in einem Multiplayer-Online-Game:<\/em><br \/>\n<em> Achievers (reaching a specific goal, levelling); Explorers  (exploring  all localities, mechanics, possibilities of the game);  Socialisers  (empathising, sympathising, grouping, connecting);  Impositiors  (mastering others, killing, destroying)<\/em><\/li>\n<li>Claus Pias (2002): &#8220;Computerspiele im Pr\u00fcfstand&#8221; (Deutscher\u00a0 Medienwissenschaftler und Medienphilosoph):<br \/>\n<em>Action (reagieren, zeitkritisch), Adventure (entscheiden, entscheidungskritisch), Strategie (planen, konfigurationskritisch)<\/em><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist &#8220;Spiel&#8221;? 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