Blockseminar – Zielgerade: Kunst, Spiele, Varianten

Das Seminar ging mit dem abschließenden Blockseminar zu Ende.
Ein paar Links und Erläuterungen zu angesprochenen Spielen, Kunst, Kultur…

“Vater-Mutter-Kind” (Weltweit, seit Urzeiten)
Gibt es jemanden, der dieses Spiel mit einer intakten Kernfamilie gespielt hat? Im Seminar gab es Variationen mit totem Vater (um die Abwesenheit zu erklären?) und verschollenen Eltern, nach denen man suchen musste. In diesen Variationen des Vater-Mutter-Kind-Spiels kann man eine symbolhafte Aufarbeitung des kindlichen Alltags sehen (s. z.B. Oerter, Sutton-Smith im Studienmaterialordner); aus der Sicht des Erwachsenen kann es – unberechtigterweise, wie viele spontan entstehende oder variierende Kinderspiele –  beunruhigend wirken.

Lemay (F, 2006, Original: “J´te gage que…”) “Erwischt!” (Heidelberger Spieleverlag)
Beschreibung und Bewertung

Eine interessante pervasive Spielidee, die wie eine auf den Kopf gestellte Version, eine lustig-listige Variante des “Assassin”-Spiels bzw. “Cruel 2 B Kind” wirkt. Handlungen anderer Mitspieler müssen als intentionale, ausgeführte Spielaufgaben identifiziert werden, ohne dass es eine durchgehende Trennung von Spiel und Nicht-Spiel gibt, eher eine Osziallation zwischen den Zuständen. Die Variation “Voll erwischt!” im obigen Link scheint wg. Reziprozität griffiger als die Grundversion zu sein. Generell lassen sich drei Aufgabenarten unterscheiden: Tätigkeiten, die man selbst ausführt; eigene Tätigkeiten, in die man andere involviert; und Tätigkeiten, zu denen man andere bringen muss.
Fazit: Stephanie bereitet schwierigste Aufgaben (z.B. “Bringe jemanden zum Tanzen”) mit der Präzision einer erfahrenen Attentäterin vor.

Lambert & Rilstone (US, 1994, Original “Once upon a time…”) “Es war einmal…” (Amigo)
Ein Kartenablegespiel, bei der es um die fließende, kooperative (bzw. kompetitive) Erzählung eines Märchens anhand klassischer Märchenelemente auf den jeweiligen Handkarten geht. Eine Beschreibung und Bewertung sowie (konstruktive) Kritik ist angebracht; auch bei uns wurde das Märchen relativ lang (was gut ist), allerdings etwas monologiserend, da die entsprechenden Karten zum Unterbrechen nicht auf den Händen waren. Als kommerzielle Variationen bieten sich Dark Tales an, der Spielmechanismus lässt sich mit beliebigen anderen Genres ‘füllen’.

Leslie Scott (US, 1989) “Jenga” (Hasbro)
Beschreibung

Ein geschicklichkeitsspiel ähnlich wie bei Mikado; es müssen quaderförmige Steine aus einem Turm herausgelöst und oben aufgeschichtet werden, ohne dass der Turm umfällt.
Erfolgreichste Variation (Add-On) bei uns:
Nach erfolgreicher Ablage eines Steins wird vom Spieler eine für die nächsten zwei Spieler geltende Zusatzregel aufgestellt, z.B. “Es darf nur die linke Hand benutzt werden”, “Mache einen Fisch nach, während du den Block ziehst”, “Steine dürfen nur senkrecht abgelegt werden” aber auch “die nächsten Zusatzregeln gelten für eine ganze Runde” (diese Regeln gälte allerdings weiterhin nur für die nächsten beiden Spieler).

“Wer ist es?” (Hasbro 1990)
Hier eine Beschreibung und Bewertung des Spiels.
Variation von Julia: Einsatz eigener Personen- oder Objektkarten; Verwendung vorgefertigter Fragekärtchen (soweit ich es verstanden habe, bin mir da leider nicht ganz sicher… 😉 )

Reverses Bullshit-Bingo im Unterricht (?)
Wie soll man es sonst nennen…?
Unbemerkt vom Lehrer muss der jeweilige Spieler bestimmte Begriffe oder Phrasen in seine Antworten oder Konversationen einbauen. Das Spiel ähnelt in dieser Hinsicht “Erwischt!”, es wäre spannend, mehr über die aktuelle (oder klassische?) Kultur subversiver Spiele im Unterricht bzw. an der Schuler heraus zu finden. Was ist z.B. mit dem gekonnten Papierkorb-Knüll-Basketball-Wurf, wenn der Lehrer es nicht mitbekam? Die meisten Spiele hatten ihren Reiz durch das Gefühl des “Spiel im Spiel”, wobei die übergeordnete Regelinstanz (der Lehrer) als zu touchierende Grenze wirkte.

“Platine Cologne”Link
Die PLATINE ist ein Festival, welches sich im Spannungsfeld zwischen elektronischer Kunst und alternativen Spielformen bewegt und 2011 zum zweiten Mal stattfindet.

“Reactable” – Youtube-Link
Der Reactable ist ein haptisches Interface (Kuben und interaktive Tischprojektion) zur Erzeugung, Mischung und Manipulation von Tönen.

Ausstellungsobjekte

  • “Coincidence Engine Two”, Madan & Macintosh – Link
  • “Coincidence Engine One”, Madan & Macintosh – Link
  • “Symphony for Dot Matrix Printers”, Madan & Macintosh – Link
  • “Performance 2010 Ei Wada” Nam Jun Paik – Youtube-Link

Feedback

Eindrücke und Wünsche zum Seminar durch die Studierenden:

  • Klarere Darstellung von Zielen der jeweiligen Sitzungen gewünscht
  • Darstellung des Inhalts der jeweiligen Sitzungen über Kurzvortrag des Seminarleiters gewünscht
  • Bessere Zuordnung der ausgegebenen Texte sowie mehr/klarere Fragen dazu gewünscht
  • Seminarleitung war nett (ich deute das als: umgänglich und flexibel), aber eine autoritärere, d.h. direktivere Art der Seminarleitung wäre wünschenswert
  • Liste mit allen angesprochenen Spielen wäre hilfreich
  • Präsenzsitzungen vor Ort wurden als sehr positiv wahrgenommen
  • Virtueller Seminarordner (in diesem Fall Dropbox) mit allen Texten an ‘einem Ort’ war sehr komfortabel

Eindrücke und Wünsche des Seminarleiters

  • Bin sehr erfreut, die Bekanntschaft mit Kölner Studierenden gemacht zu haben; Psychologie, Kunst(pädagogik) und Studium Generale scheint eine gute Mischung zu ergeben!
  • Schnellst entwickeltes und interessantestes Rules-Only-Spiel mit “Rats ‘n’ Stats” gesehen.
  • Die diversesten und interessantesten Ideen auf die Frage bekommen: “Welches Spiel stellt eurer Meinung nach das Studium am ehesten dar?”
  • Alle Teilnehmer sind tatsächlich auch selbst Spieler. Und sitzen im Seminar, ohne dass sie Leistungsnachweise benötigen.
  • Die Online-Sitzungen liefen viel besser als erwartet (wir haben in Folge spannender Diskussionen fast immer überzogen) – was allerdings auch an der kleinen Teilnehmerzahl liegen könnte.
  • Real-Virtuelle Sitzungen mit Videolink sind eine feine Sache.
  • Muss mich besser strukturieren und organisieren für Blöcke.
  • Sehr, sehr kleine Seminar führen sich ganz anders als solche mit 15-30 Studierenden.
  • Blockseminare ähneln Europa-in-drei-Tagen-Touren, wöchentliche Seminare eher langestreckten Backpacking-Touren.
  • Hatte noch nie 100% der Studierenden am Ende des Seminars.
  • Hatte mit Stephanie quasi eine Tutorin mit Insiderwissen im Seminar, prima!

 

 

Wey

Über Wey

My name's Wey-Han Tan, I graduated 2007 as Diplompädagoge (educational scientist) in Hamburg, and 2009 as M.A. in ePedagogy Design. Currently I work at the project "Universitätskolleg" as scientific assistant at the Faculty for Educational Sciences, Psychology and Human Movement at the University of Hamburg. My research interests are game based learning, second order gaming, media theory and (radical) constructivist approaches. I like pen-and-paper-roleplaying, especially in contemporary horror settings like "KULT" or "Call of Cthulhu".
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